Peking und China, die Ente und der Tee

Bin also gestern gut in Peking gelandet, nachdem ich einem aelteren Herrn in der Wartehalle des Flughafens in Guangzhou minutenlang beim Rumrotzen mir gegenueber zusehen durfte. erst dachte ich, er haette sich verschluckt und drohte, zu ersticken. Dann aber wurde mir klar, dass das einfach eine Art orale Inkontinenz war… Es sabberte nur aus seinem Mund auf den benachbarten Sitz und den Teppichboden. Als er sich gesammelt hatte, ging er dann brav zum Muelleimer, um den Rest loszuwerden, diesmal auf „ziviliesierte Art und Weise“… eben in den Muelleimer, wenn man da “zivilisiert“ in unserem Sinne sprechen kann. Die Prozedur wiederholte sich dann auch 5 Mal, danach, war er scheinbar erstmal entleert…Gut, aber nun zu meinen ersten 24 Stunden in Peking: Die Stadt ist auch riesig, de facto ja auch groesser als Guangzhou, aber man hat ueberall eher den Eindruck, mehr Luft zu bekommen. Die Plaetze sind weiter, viel weiter und alles wirkt nicht so kommerziell und industrialisiert (auch, wenn es das in den Randbezirken sicher ist). Es gibt einfach mehr traditionell chinesische Strassen und Bauten. Einzig das Metrosystem war in Guangzhou fuer Auslaender viel komfortabler… und futuristischer, denn so ein Ticketautomat sricht besser Englisch als ich, eine Chinesin in Uniform mit Nummer dagegen spricht nur mit boesem Blick und Schulterzucken irgendeine andere sprache als chinesisch… und man bekommt nur ein Ticket, wenn man sich dann vom naechsten Englischkundigen die noetigen Saetze aufschreiben laesst.

Gestern Abend bin ich in meinem Hostel angekommen und bin gleich von zwei Mittelamerikanerinnen und nem Schwedenpaerchen zum Pekingenteessen mitgenommen worden. Die Ente hat widererwartend fantastisch geschmeckt (ich dachte immer, ich hasse Ente) und der Abend war sehr nett. Die vier kommen grade alle aus Korea. Ja, derartige Travel-Destinationen waren mir neu. Sie sind auch keine Traveller, sonderm haben dort ein Semester studiert. Korea muss absolut krass sein. Ich muss zugeben, dass ich nicht den geringsten Schimmer ueber Kultur und Verhalten von Koreanern hatte. Auch mit der Annahme, Korea sei eher arm verglichen mit Europa, lag ich total daneben Seoul ist eine der teuersten Staedte der Welt). Das ist ein absolutes Hightec Land. Eher so, wie ich mir Japan vorgestellt habe (Klobrillen, die mit einem sprechen und nach dem Geschaeft automatisch einen Wasserstrahl Richtung Allerwertesten richten…). Eine Hochleistungsgesellschaft ohne Spass am Leben und ohne die Eigenschaft, Dinge und Regeln zu hinterfragen. (Bestes Beispiel: Du kannst in einem Restaurant als Einzelner kein Menu fuer zwei bestellen, weil das gegen die Regel ist… Du bekommst es einfach nicht, auch nicht, wenn Du sagst, Du isst es allein)… Jeder will der beste sein, 70% der Maedels sind magersuechtig, plastische Chirurgie boomt, der Ehepartner kann aus Katalogen ausgesucht werden, Frau steht ne Stunde vor dem Mann auf, um das noetige Make-Up aufzulegen, um perfekt uer ihn auszusehen… und die Selbstmordrate ist verdamt hoch… Interessanter und bedenkenswerter Abend also.

Bedenkenswert ist auch, dass ich, seit ich in Laos das Lao-Bier zu schaetzen gelernt habe, ploetzlich auch Geschmack an anderem Bier gefunden habe… Sollte das wohl in Deutschland nochmal auf Wein umstellen. ;-)

Heute war ich, nachdem ich mir wegen der bemerkenswert niedrigen Temperaturen, die sogar die Seen im Park zufrieren lassen haben, eine Fakevariante einer North-Face Jacke fuer 12 Euro (!!!) gegoennt habe, in einem sehr huebschen Park, von dem aus ich dann in die verbotene Stadt gegangen bin. Beeindruckend und sehr chinesisch (kennt Ihr Chinatown im Phantasialand? 100 Mal so gross, aehnliche Gebaeude, nur echt und wirklich 500 Jahre alt!) Aber wird Zeit, dass ich heimkomme. Ich denke nurnoch „beeindruckend“, ich fuehle aber nur wenig von der Ueberwaeltigung. Bin wohl Kultur-gesaettigt. :-)

Denke, die Chinesische Mauer uebermorgen schafft da aber nochmal was. :-)

Nach der verbotenen Stadt bin ich von zwei Chinesinnen angesprochen worden. Erst dachte ich, dass sie mir irgendwas verkaufen wollten. Man wird verdamt skeptisch, wenn man Langzeittourist ist… Auch nach 5 Minuten Gespraech und gemeinsamem Weg hab ich mich immernoch gefragt, was sie von mir wollen. Wie sich herausstellte: Nichts, nur mit mir reden! Sie sind selbst Touristen in Peking und wir sind gemeinsam in ein Teehaus gegangen. Wir wurden in einen kleinen Raum gefuehrt, der mit goldener chinesischer Seidentapete ausgekleidet war. In der Mitte stand ein Tisch mit dem klassisch Chinesischen Tee-Zeremonie-Equipment. Die Preislliste hat mich erstmal schlucken lassen (30Y, also 3 Euro pro Teesorte), aber da ich schonmal dawar, habe ich gedacht, okay, ich nehm’s als Kulturerlebnis.

Abgesehen vom Preis war es phantastisch. Die bedienende Chinesin in ihrem roten Seidensarong hat immer etwas zur jeweiligen Teesorte erzaehlt und die Rituale vorgefuehrt, die wir nachgemacht haben. Die beiden haben fuer mich uebersetzt. Nebenbei gab’s Zwergtomaten und zwei Sorten chinesischer Kekse. Eine war definitiv aus Reis, was mir Lily bestaetigte, die andere Sorte erklaerte sie mir mit: Something out of something that looks like ear of a cat, but IS not… Na, hoffentlich…

Es hat eine Bedeutung, wie viele Sorten man probiert: 6 bringen Glueck, 8 Gesundheit und 10 vereinen alle positiven Eigenschaften. Also haben wir 10 getestet. Schliesslich sollten wir uns fuer eine favorisierte Sorte entscheiden. Ich habe dann keinen tatsaechlich gekauft, aber eine der Maedels hat einen speziellen Jasmin- Blueten- Tee fuer 26 Euro (!!!) gekauft.

Die Rechnung unserer Zeremonie war… naja, nicht Budget-gerecht, absolut nicht. Aber im Nachhinein war es das einfach wert. Auch die Unterhaltung mit Lily und Jane war einfach nett (exzellentes Englisch, ein paar worte Deutsch, weil Exfreund deutsch und beide studieren Business) und sie wollten mich dann noch zum Essen in ihr Appartement, in dem sie bei einem Freund uebernachten, einladen. War aber leider um 6 mit einer der Mittelamerikanerinnen am Hostel verabredet. Die beiden haben mich dann noch in den richtigen Bus gelotst und…. Lily hat mir ihren gekauften Tee geschenkt „because you’re so nice and we enjoyed so much talking to you“. Bis zu dem Punkt hatte ich mich noch immer gefragt, ob die beiden beim Teehaus angestellt sind, aber spaetestens dann und nach dem Angebot mit dem Kochen und, dass sie mir den Bus zahlen wollten und wir Mailadressen ausgetauscht haben, hab ich meine Skepsis zu 99% verloren. ;-)

Bis bald :-)

Steffi

2 Antworten zu „Peking und China, die Ente und der Tee“

  1. jutta selbach sagt:

    Hallo, liebe Tochter,
    da nehm ich jetzt noch eine der letzten Gelegenheiten wahr, in Eurem Blog zu kommentieren:
    Der Bericht heute beschreibt Deinen ersten Tag in Peking recht blumig, und außer der Einleitung, die außerdem noch Guanghzou zuzuordnen ist, auch sehr appetitlich. Das mit der Ente probier ich gerne auch mal aus, aber dafür extra nach Peking? Und was das Bier anbetrifft, für Weihnachten haben wir hier Wein eingeplant, da wirst Du wieder umgestellt! Und 10 Teesorten warten auch, wegen der Vereinigung aller positiven Eigenschaften. Wie Michi immer sagt: Viel hilft viel!
    Freut mich, daß Du das mit den „nur guten Menschen“, die Dir „begegnen“ sollten, auch hingekriegt hast, und jetzt kannst Du Dich bitte auf zu Hause freuen.
    Morgen, für die Bewältigung eines Teils der Chinesischen Mauer empfehle ich Dir festes Schuhwerk, damit Du nicht noch vorm Heimflug strauchelst und Dich verletzt!;-)
    Und kälter als in Peking ist es dort auch, also warm anziehn.
    Bis spätestens Sonntag
    Liebe Grüße
    Deine Mama

  2. Silvia sagt:

    Au ja, da schließe ich mich an: bitte jetzt auf zu Hause freuen :)

    Liebe Grüße,
    Silvia

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