3480 Stunden und zwei halbe Weltumrundungen später…
Dezember 23, 2007… bin ich nun wieder in Prüm angekommen…
Das heißt, mein Körper ist das. So ganz realisiert habe ich das noch nicht und mein Körper auch nicht komplett. Da hilfts auch nicht, um 23:30 schlafen zu gehen, die innere Uhr kommt nicht ganz mit und weckt mich um 5:00 Uhr morgens. Realisiert habe ich alleirdings, dass das Essen in Asien ein bisschen zu gut war, dass niemand während meiner Abwesenheit mein Zimmer entrümpelt und aufgeräumt hat (…
), wohl aber mein Auto… Sachen gibts
!!! Danke, mein lieber Bruder(!), dass ne ganze Menge Organisationszeug und Verpflichtungen auf mich warten, die einen krassen Kontrast zu den letzten Monaten stehen, dass viele Dinge in Deutschland gar nicht so schlecht sind (Autofahren, Muttersprache, Mutter …
, also Family, die Luft im Vergleich zu Peking, ein Kleiderschrank voller sauberer Klamotten, guter Kaffee, bezahlbarer guter Wein… und vieles mehr).
Die andere Seite ist, dass ich mir abgewöhnen muss, jeden Weißen erstaunt und freudig anzuschauen in der Annahme, dass er der einzige neben mir im ganzen Ort ist. Dann gibt es eben Dinge, die ich hier vermissen werde: Angefangen z.B. bei der Offenheit und Freundlichkeit der reisenden Menschen und der Einheimischen, die mit viel weniger viel glücklicher schienen als die meisten Menschen in Europa über die unschlagbar günstigen Preise und natürlich grade auch ein bisschen die tropische Wärme bis hin zur Gelassenheit, mit der vor allem die Menschen in Süd-Ost-Asien Problemen, Konflikten und Gegebenheiten gegenübertreten.
Es ist schön, daheim zu sein. Es ist schön, die letzten 4 Monate und 3 Wochen revuepassieren zu lassen und zu realisieren, wie viel ich in der Zeit erlebt habe, wie viele Menschen diesen Blog angeschaut haben und -manche mehr, manche weniger regelmäßig- ein Stück in Gedanken mit mir gereist sind. Danke.
Steffi
Great Wall
Dezember 23, 2007Wikipedia:
Die Chinesische Mauer ( Wànlĭ Chángchéng „10.000 Li lange Mauer“) ist eine Tausende Kilometer lange historische Grenzbefestigung, die das chinesische Kaiserreich vor nomadischen Reitervölkern aus dem Norden schützen sollte. Sie ist mit 6.350 km Länge (Hauptmauer 2.400 km) und auch hinsichtlich Volumen und Masse das größte Bauwerk der Welt. Dabei besteht die Mauer aus einem System mehrerer teilweise auch nicht miteinander verbundener Abschnitte unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Bauweise.
Der chinesische Name „10.000 Li lange Mauer“ beinhaltet eine Längenangabe. Ein Li entspricht etwa 575,5 m, 10.000 Li sind daher ca. 5.755 km. Die Zahl 10.000 steht im chinesischen jedoch für Unendlichkeit bzw. eine unzählbare Menge (vgl. Myriade), weshalb der Ausdruck etwa „unvorstellbar lange Mauer“ bedeutet.
Ich:
Ja, beeindruckend und wirklich UNENDLICH lang!
Unser Minibus hat uns nach 3,5 Stunden chinesischer Fahrt zum Startpunkt fuer unseren Trek über die chinesische Mauer gebracht („chinesische Fahrt“: erstmal 40 Minuten (um 6:15 morgens!) damit verbringen, ein anderes Hotel zu suchen, um noch ein paar Leute einzusammeln… 40 Minuten, in denen ich 4 Strassen auch gleich 6 Mal in jede Richtung kennengelernt habe… und Überholmanöver, die man sich so vorstellt: Straße, vergleichbar mit einer normalen Bundesstrasse in Deutschland; auf dem Standstreifen fährt ein kleinerer Lastwagen, der grade von einem größeren überholt wird. Der wiederum wird von unserem Minivan überholt, damit wir einen besseren Blick auf den Gegenverkehr haben, der… genauso aussieht. Die Hupe scheint hier nicht der Warnung zu dienen. Chinesen glauben scheinbar, dass durch das Hupen das letzte PS der Autos aktiviert wird, um vielleicht doch noch früh genug die eigene – hoffentlich freie – Fahrbahn wieder zu erreichen.)
Da Mao gesagt hat „Der, der nicht die chinesische Mauer bestiegen hat, ist kein richtiger Mann“, blieb mir ja nichts anderes übrig…??
Die 10 km, die wir davon geklettert sind (nee, das ist wirklich keine einfacher Spaziergang über ein paar geordnete Steine…), hatten’s in sich. Die Mauer ist eben auf Bergkämmen errichtet worden und genauso steil wie eben diese. („Steepest Street“ damals in Neuseeland war nichts dagegen.) Manche Stellen sind so verfallen, dass man entweder mal 3 Meter von einem der Türme (auf unseren 10 km waren es 30 Stück insgesamt) auf den Mauerrest oder eben den Bergkamm runterklettern musste oder aber ein Stück nebenher durch die Hänge laufen musste. Zur Belohnung zum Schluss hat man dann ne nette Fahrt auf dem so genannten Fox-Ride machen koennen: In 50 Metern Höhe mit ner Drahtseilwinde an nem Karabiner befestigt 400 Meter über nen Staudamm ins Tal.
So viel also zum Aktivteil (ziemlich großartig!). Der Scenic-Teil dabei war natürlich der Hammer. Ich denke, Ihr kennt alle optimierte Bilder aus Reiseberichten oder Reiseführern von der Mauer und der Landschaft drum’rum. In dem Fall ist der Live-Blick mindestens so beeindruckend und einfach atemberaubend.
War also ein absolut würdiges Reisefinale.
Widersprueche
Dezember 20, 2007China ist das land der Widersprueche. Angefangen bei Muelleimeroeffnungen, die in recyclebar und Nicht-recyclebar per Aufschrift trennen, aber ganz offensichtlich fuer jeden in den gleichen Beutel fuehren ueber den kapitalistischsten Kommunismus, den ich mir vorstellen kann bis hin zu der Tatsache, dass ich auf einmal nun doch ueber eine Seite schreiben kann, die eigentlich nur das Lesen des Blogs ermoeglicht hat… Letzteres hinterfrage ich einfach nicht.
… oder doch… Schreiben geht, Veroeffentlichen nicht. Also darf die Silvia nochmal.
))Also, nett waren die beiden Chinesinnen schon und ich fand die Teezeremonie auch ziemlich interessant… aber ich muss ja trotzdem zugeben, dass das eine Restprozent meiner Zweifel wohl berechtigt war. Ich habe die Geschichte gestern insgesamt zwei anderen Menschen erzaehlt und beide meinten unabhaengig voneinander, dass ihnen nahezu dasselbe passiert sei. Ein bisschen beruhigend ist, dass ich damit also nicht ganz allein und ganz „doof“ reingefallen bin. Immerhin hab ich noch nen Tee, den ich mit nach Hause bringen kann, „geschenkt“ bekommen.
Ausserdem hab ich begonnen, meine Bieraffektion zu behandeln…. mit Cocktails… nein, werde nicht zum Alkoholiker, hatte nur einen sehr netten Abend mit rOobin und Meike, seiner Freundin (der rOobin, der mir so freundlich und hilfreich den Einstieg nach China erleichtert hat und der mir Tipps gegeben hat, wie ich wenigstens meine Blogseite von hier aus lesen kann, DANKE nochmal! … ach, der, dessen Blogseite: sojahund.wordpress.com einfach lesenswert ist
).
Nebenbei: Dies ist eine Aufnahme aus einer Toilette in einem wirklich stylischen Café mit einem wirklich stylischen Westerntoilet…
Es ist immer eine Überraschung, in Asien aufs Klo zu gehen: Bekommt man nun Asian- oder Westerntoilet?… und… gibts Klopapier oder nicht. Man lernt schnell, dass man das Toilettenpapier besser nicht ins Klo wirft. Aber das da oben ist nun doch übertrieben
Dass man in China Eintritt fuer Parks bezahlen muss, daran hab ich mich nun gewoehnt, aber, dass man dann IN diesem Park nochmal Eintritt fuer einen Tempel zahlt, ist irgendwie uebertrieben. Dennoch, der Temple of Heaven war sehenswert
und der Park drum herum war riesig. Er wurde eigentlich auch dadurch nochmal doppelt so gross, dass manche Hinweisschilder, die zu Teilen der Tempelanlage fuehrten, einfach mal in die entgegengesetzte Richtung zeigten (nein, es war ne Holztafel, da hat sich niemand den Standardscherz erlaubt, den Pfeil umzudrehen…)
Das naechste Ziel war dann der Silkmarket. Hoert sich klein, urig und typisch chinesisch an, oder? Die Erwartung hatte ich gottseidank nicht lange, denn man hat mir gesagt, dass man dort ALLES Erdenkliche kaufen kann. Das stimmt auch. 7 Etagen in einem Einkaufszentrum (ganze Busgruppen werden dorthin gekarrt) und jede Etage vollgestopft mit Fake-Klamotten, CD’s, Uhren, Taschen, Schuhen, Schmuck, Souvenirs, Handies… und … ziemlich penetranten chinesischen Verkaeufern (und -innen). Wenn man sich den Psychostress gibt, kann man schonmal ein paar „Puma“Sneakers fuer 5 Euro abstauben, die anfangs mal fuer 85 Euro Startpreis („you are nice, you get my best price…“) kosten sollten.
Peking im ganzen ist SEHR weitlaeufig, was die Smogglocke nicht daran hindert, sich auch in die letzte Ecke zu nisten. Gluecklicherweise spielt das Wetter mit. Es ist kalt, aber bis jetzt durchweg sonnig. Seltsam, die immer nur durch nen Dunstschleier zu sehen, macht aber nen tollen Effekt beim Sonnenuntergang.
Heute waren wir (also Stephan, der seit gestern auch in der Stadt ist, und ich) im Summerpalace. Auch ein riesiges Parkgelaende, fuer das man Eintritt zahlt, aber ein extrem huebsches. Das Auge hat viel Weite ueber einen See (komplett zugefroren) und blickt erstmal ueber diesen See auf einen mit Nadelbaeumen begruenten Huegel, in dem der Palast eingebettet ist. Von dort steht man zwischen alten chinesischen Gebaeuden, Baeumen, Felsen und … natuerlich… Menschen und hat einen wunderbaren Blick ueber eben diesen See Richtung Stadt (und Dunstglocke…).
Wir sind dort… weil is ja China und in China fahren alle Rad… mit eben diesen die angeblich 12 km hingeradelt… es waren gefuehlte 20km fuer die man 90 min braucht. wer jetzt denkt, dass die Distanz reicht, um vom Zentrum den Stadtrand zu erreichen, der taeuscht sich. Auch dahinter geht der Hochhaus- und Strassenwald weiter. Die Stadt hat immerhin 15 Mio Einwohner und laut Jan, einem deutschen FSJ’ler mit Anstellung in nem Hostel (ja, sowas geht), der danach Asienwissenschaften studieren wird, ist die inoffizielle EW-Zahl bei 24 Mio!
Morgen werden wir dann endlich die chinesische Mauer sehen. Dafuer steh ich doch … gern… um 6 Uhr auf! Wir werden 10 km ueber ein eher untouristisches Stueck laufen, das nicht restauriert ist und deshalb wohl auch ein paar Klettereinlagen erfordert. ![]()
Hoffe, das Wetter spielt weiter mit und meine Erkaeltung verpennt morgen frueh.
Mein letzter Tag in China und auch der letzte der Reise hat also nochmal so’n richtiges Highlight. ![]()
Bis bald
Steffi
Peking und China, die Ente und der Tee
Dezember 17, 2007Bin also gestern gut in Peking gelandet, nachdem ich einem aelteren Herrn in der Wartehalle des Flughafens in Guangzhou minutenlang beim Rumrotzen mir gegenueber zusehen durfte. erst dachte ich, er haette sich verschluckt und drohte, zu ersticken. Dann aber wurde mir klar, dass das einfach eine Art orale Inkontinenz war… Es sabberte nur aus seinem Mund auf den benachbarten Sitz und den Teppichboden. Als er sich gesammelt hatte, ging er dann brav zum Muelleimer, um den Rest loszuwerden, diesmal auf „ziviliesierte Art und Weise“… eben in den Muelleimer, wenn man da “zivilisiert“ in unserem Sinne sprechen kann. Die Prozedur wiederholte sich dann auch 5 Mal, danach, war er scheinbar erstmal entleert…Gut, aber nun zu meinen ersten 24 Stunden in Peking: Die Stadt ist auch riesig, de facto ja auch groesser als Guangzhou, aber man hat ueberall eher den Eindruck, mehr Luft zu bekommen. Die Plaetze sind weiter, viel weiter und alles wirkt nicht so kommerziell und industrialisiert (auch, wenn es das in den Randbezirken sicher ist). Es gibt einfach mehr traditionell chinesische Strassen und Bauten. Einzig das Metrosystem war in Guangzhou fuer Auslaender viel komfortabler… und futuristischer, denn so ein Ticketautomat sricht besser Englisch als ich, eine Chinesin in Uniform mit Nummer dagegen spricht nur mit boesem Blick und Schulterzucken irgendeine andere sprache als chinesisch… und man bekommt nur ein Ticket, wenn man sich dann vom naechsten Englischkundigen die noetigen Saetze aufschreiben laesst.
Gestern Abend bin ich in meinem Hostel angekommen und bin gleich von zwei Mittelamerikanerinnen und nem Schwedenpaerchen zum Pekingenteessen mitgenommen worden. Die Ente hat widererwartend fantastisch geschmeckt (ich dachte immer, ich hasse Ente) und der Abend war sehr nett. Die vier kommen grade alle aus Korea. Ja, derartige Travel-Destinationen waren mir neu. Sie sind auch keine Traveller, sonderm haben dort ein Semester studiert. Korea muss absolut krass sein. Ich muss zugeben, dass ich nicht den geringsten Schimmer ueber Kultur und Verhalten von Koreanern hatte. Auch mit der Annahme, Korea sei eher arm verglichen mit Europa, lag ich total daneben Seoul ist eine der teuersten Staedte der Welt). Das ist ein absolutes Hightec Land. Eher so, wie ich mir Japan vorgestellt habe (Klobrillen, die mit einem sprechen und nach dem Geschaeft automatisch einen Wasserstrahl Richtung Allerwertesten richten…). Eine Hochleistungsgesellschaft ohne Spass am Leben und ohne die Eigenschaft, Dinge und Regeln zu hinterfragen. (Bestes Beispiel: Du kannst in einem Restaurant als Einzelner kein Menu fuer zwei bestellen, weil das gegen die Regel ist… Du bekommst es einfach nicht, auch nicht, wenn Du sagst, Du isst es allein)… Jeder will der beste sein, 70% der Maedels sind magersuechtig, plastische Chirurgie boomt, der Ehepartner kann aus Katalogen ausgesucht werden, Frau steht ne Stunde vor dem Mann auf, um das noetige Make-Up aufzulegen, um perfekt uer ihn auszusehen… und die Selbstmordrate ist verdamt hoch… Interessanter und bedenkenswerter Abend also.
Bedenkenswert ist auch, dass ich, seit ich in Laos das Lao-Bier zu schaetzen gelernt habe, ploetzlich auch Geschmack an anderem Bier gefunden habe… Sollte das wohl in Deutschland nochmal auf Wein umstellen.
Heute war ich, nachdem ich mir wegen der bemerkenswert niedrigen Temperaturen, die sogar die Seen im Park zufrieren lassen haben, eine Fakevariante einer North-Face Jacke fuer 12 Euro (!!!) gegoennt habe, in einem sehr huebschen Park, von dem aus ich dann in die verbotene Stadt gegangen bin. Beeindruckend und sehr chinesisch (kennt Ihr Chinatown im Phantasialand? 100 Mal so gross, aehnliche Gebaeude, nur echt und wirklich 500 Jahre alt!) Aber wird Zeit, dass ich heimkomme. Ich denke nurnoch „beeindruckend“, ich fuehle aber nur wenig von der Ueberwaeltigung. Bin wohl Kultur-gesaettigt.
Denke, die Chinesische Mauer uebermorgen schafft da aber nochmal was.
Nach der verbotenen Stadt bin ich von zwei Chinesinnen angesprochen worden. Erst dachte ich, dass sie mir irgendwas verkaufen wollten. Man wird verdamt skeptisch, wenn man Langzeittourist ist… Auch nach 5 Minuten Gespraech und gemeinsamem Weg hab ich mich immernoch gefragt, was sie von mir wollen. Wie sich herausstellte: Nichts, nur mit mir reden! Sie sind selbst Touristen in Peking und wir sind gemeinsam in ein Teehaus gegangen. Wir wurden in einen kleinen Raum gefuehrt, der mit goldener chinesischer Seidentapete ausgekleidet war. In der Mitte stand ein Tisch mit dem klassisch Chinesischen Tee-Zeremonie-Equipment. Die Preislliste hat mich erstmal schlucken lassen (30Y, also 3 Euro pro Teesorte), aber da ich schonmal dawar, habe ich gedacht, okay, ich nehm’s als Kulturerlebnis.
Abgesehen vom Preis war es phantastisch. Die bedienende Chinesin in ihrem roten Seidensarong hat immer etwas zur jeweiligen Teesorte erzaehlt und die Rituale vorgefuehrt, die wir nachgemacht haben. Die beiden haben fuer mich uebersetzt. Nebenbei gab’s Zwergtomaten und zwei Sorten chinesischer Kekse. Eine war definitiv aus Reis, was mir Lily bestaetigte, die andere Sorte erklaerte sie mir mit: Something out of something that looks like ear of a cat, but IS not… Na, hoffentlich…
Es hat eine Bedeutung, wie viele Sorten man probiert: 6 bringen Glueck, 8 Gesundheit und 10 vereinen alle positiven Eigenschaften. Also haben wir 10 getestet. Schliesslich sollten wir uns fuer eine favorisierte Sorte entscheiden. Ich habe dann keinen tatsaechlich gekauft, aber eine der Maedels hat einen speziellen Jasmin- Blueten- Tee fuer 26 Euro (!!!) gekauft.
Die Rechnung unserer Zeremonie war… naja, nicht Budget-gerecht, absolut nicht. Aber im Nachhinein war es das einfach wert. Auch die Unterhaltung mit Lily und Jane war einfach nett (exzellentes Englisch, ein paar worte Deutsch, weil Exfreund deutsch und beide studieren Business) und sie wollten mich dann noch zum Essen in ihr Appartement, in dem sie bei einem Freund uebernachten, einladen. War aber leider um 6 mit einer der Mittelamerikanerinnen am Hostel verabredet. Die beiden haben mich dann noch in den richtigen Bus gelotst und…. Lily hat mir ihren gekauften Tee geschenkt „because you’re so nice and we enjoyed so much talking to you“. Bis zu dem Punkt hatte ich mich noch immer gefragt, ob die beiden beim Teehaus angestellt sind, aber spaetestens dann und nach dem Angebot mit dem Kochen und, dass sie mir den Bus zahlen wollten und wir Mailadressen ausgetauscht haben, hab ich meine Skepsis zu 99% verloren.
Bis bald
Steffi
Guangzhou, die dritte
Dezember 15, 2007So, ich bin Stadt-gesaettigt! Nachdem ich heute Morgen seit langer Zeit nochmal joggen gewesen bin (man kriegt ja ein schlechtes Gewissen, wenn man all die Senioren beim Fitnessen und Thai Chi und Bo und was weiss ich nicht alles beobachtet!), hab ich… entweder aus Konditionsmangel oder wegen der guten Stadtluft heute den ganzen Tag so ein Gefuehl von zu wenig Sauerstoff gehabt… Der Spaziegang durch die als typisch chinesisch beschriebene Fussgaengerzone war geradezu anstrengend. Noch ein Tipp: Niemals Samstag in ne Shoppingstrasse gehen, besonders nicht in China!! Und drei Mal nicht, wenn man sowieso denkt, dass zu wenig Luft vorhanden ist.
Das wurde erst besser, als ich dann endlich im groessten urbanen Park Asiens angekommen bin. Der war dann so gross, dass ich fuer meine 50 Cent Eintritt (ja, die verlangen hier fuer jede Gruenflache Eintritt!) auch maximal 10% gesehen habe. Dafuer wird man dann ueberall mit chinesischer Musik bseschallt, die sich an einem der Seen, an denen man Tretboote mieten konnte, mit chinesischem Techno in ordentlicher Lautstaerke mischte.
Der grosse Unterschied zu europaeischen Parks scheint, dass sie extrem sauber sind. Stuendlich laeuft jemand mit dem Besen durch und kehrt sogar Blaetter von der Wiese. Natuerlich gibts ein paar typisch chinesische Pavillons und alles ist ziemlich geplant angelegt. War insgesamt aber ne nette Abwechslung zur grauen Riesenstadt.
Morgen fliege ich dann ganz dekadent nach Peking. Gleich tausche ich noch ein paar Suedostasientipps gegen Pekingtipps mit einem Spanier, der heute in den Dorm gezogen ist.
Bis bald, dann wohl aus Peking
Steffi
Guangzhou die zweite
Dezember 15, 2007Ich wollte ja heute in diesen Park… wie ich dann im Lonely-Planet gelesen habe, der groesste urbane in Asien! So viel Superlative braucht Anlauf… ich geh da morgen hin. Heute bin ich auf der Suche nach Fruehstueck so nah an eine andere Superlative gekommen, sodass ich beschlossen habe, meine Plaene fuer die beiden Tage hier umzudrehen. Ich war in der groessten Shopping-Mall im suedlichen Asien… und ja, die war riesig, so riesig, dass ich ziemlich abgeschreckt war… und ich shoppe doch eigentlich wirklich gerne!Am meisten hat mich genervt, dass ich kein Bild machen konnte, also hab ich ne Loesung fuer mein Speicherkartenproblem gefunden und nach ner Stunde Suchen (ja, in einem Gebaeude… und nein… ich hab nur die Abteilung gesucht, nicht etwa IN der Abteilung nach der Karte!… ) auch ne Speicherkarte gefunden. Die war so teuer, wie die alte, aber dafuer passen nur halb so viele Daten drauf… Egal. Nun kann ich wieder Fotos machen, die ich dann nach der Reise auch wieder ins Netz stellen kann… Zumindest kann ich meinen Eindruck China mit nachhause bringen.
Neben dem groessten Shoppingcenter Asiens steht gleich das naechste und dazwischen sind unzaehlige Shops… Wer kauft das ganze Zeug???
Ich hatte dann irgendwann auch genug davon, mir die Leute beim Shoppen anzusehen und hab mir die Aufgabe gestellt, ein „highly recommended“ Cafe in einem anderen Viertel zu finden. Gar nicht so einfach, wenn man nur einen guten Stadtplan voller chinesischer Schriftzeichen, eine Empfehlung in Englisch und einen Kompass hat… Hat aber funktioniert und sich gelohnt!
Zwei Strassen noerdlich meiner „Ruheinsel“ befindet sich ein Markt, der “ ABSOLUTELY not recommended“ ist. Die verkaufen da wohl alles, was sich nicht wehrt bzw. sich nicht mehr wehren kann… Welpen in Kaefige gequetscht, Voegel im Buendel, Schlangen, Spinnen, Katzen, Katzenteile… Einen winzigen Eindruck habe ich bekommen, als ich einfach in noerdlicher Richtung ueber eine Bruecke meine Insel verlassen habe. Dort sitzen dann schon die ersten Haendler und verkaufen…. getrocknete Tigerklauen. Das stellt man sich so vor, dass man dem Tier den Unterarm abtrennt, diesen haeutet (bis auf den Pfotenruecken, schliesslich muss man ja noch sehen, dass es auch ein echter Tiger war!) und dann die uebrig gebliebene Struktur aus Muskeln und Knochen mit den Krallen zum Verkauf anbietet…. Mehr musste ich von diesem dubiosen Markt echt nicht sehen! Kein Wunder, dass Tiger trotz Naturschutz immer mehr auszusterben dohen! Allein auf der Bruecke lagen mindestens 20 Pfoten.
So kann ich meinen Eindruck von heute nicht abschliessen, also noch etwas leichtere Kost: Als ich heute Morgen auf Fruehstuscksjagd war, bin ich an einem Park vorbeigekommen, der gestern noch nach verlassenem Kinderspielplatz aussah. Heute Morgen waren alle Geraete besetzt… von Menschen ab etwa 40 bis… vielleicht 85! Fruehsport machen die hier… in jeder erdenklichen Form! Versuche morgen mal, diese Szene… mit meiner neuen Speicherkarte!!!… zu fotografieren (bevor ich hier vergeblich versuche zu beschreiben, wie das aussah). Wir machen uns in Deutschland Gedanken, ob man ein olles T-Shirt zum Sport tragen kann, ob Nordic-Walking laecherlich aussieht, machen uns laecherlich ueber lila-pinke Trainingsanzuege… Die haben hier gar keinen Vertrag mit nichts. Spielen Federball (nein, nicht Badminton, bestimmt NICHT!) in Cordhosen, joggen im weissen Seidenpyjama oder bewegen jedes einzelne Koerperteil in einer derart kuriosen Art und Weise, dass man vergisst, ueber die Kleidung zu laestern.
Ja, Guangzhou… die Stadt hat es immernoch nicht geschafft, dass ich sie mag… zu gross, zu grau, zu luftverschmutzt (bei bemerkenswert sauberen Strassen). Allerdings mag ich die Hilfsbereitschaft der Chinesen und die immer nette Art, WENN jemand denn mal englisch spricht.
Aber es ist eine ganz andere Kultur. Das faengt bei Kleinigkeiten an… Man stellt sich in eine Warteschlange und steht nach 10 Minuten und wahrscheinlich auch einer Stunde noch an derselben Stelle, wenn man nicht selbst draengelt. In der Metro steigen die Menschen ein und bleiben 10 cm hinter der Eingangstuer stehen, um schnell wieder rauszukommen. (Fuehrt im Uebrigen dazu, dass der Lautsprecher einen uber die naechste Station informiert (sogar in Englisch) und im selben Atemzug bittet, ganz in den Zug einzusteigen um es anderen zu ermoeglichen, mitzufahren) vorteil fuer mich: Viel Platz in der Wagon-Mitte! (Also, das Verteilen im Raum wie Gasmolekuele gilt demnach nur fuer halbleere Zuege.)
Anders ist auch eben, dass jeder einfach so mal in die Gegend rotzt und es deshalb Schilder in Zuegen gibt, die das verbieten. Jeder Arbeitende hat stadt einem Namensschild eine Nummer, manchmal mit dem Hinweis, dass, wenn man mit dem Service nicht zufrieden ist, sich unter dieser Nummer melden kann. (Was auch immer dann passiert…) Gestern habe ich im Hotel nach Internet auf der Insel gefragt. Sie hat in eine Richtung gezeigt und nen Namen genannt. Ich hab dann im naechsten Shop nochmal gefragt (weil alle Namen hier nur chinesisch geschrieben sind) und man hat mich in eine andere Rcihtung geschickt. Dort gabs Internet fuer unverschaemte 2 Euro/Stunde. Egal, man nimmt, was man kriegt.
Heute erzaehlt mir eine Britin, die in meinem Dorm schlaeft und grade mit nem Freund aus Peking kommt, dass es im zweiten Stock fuer uns umsonst Internet gibt… ??? Das stimmt, denn hier sitze ich grade. Fazit: Nicht ALLE Chinesen mit Nummer sind hilfsbereit. Wenn ich nun dort anrufe, verstehen die mich dann?
Die Britin sagt ausserdem, dass es in Peking schwieriger ist, von A nach B zu kommen, weil die Metro nicht wirklich viele englische Erklaerungen hat und ueberhaupt sei es unvorstellbar, dass dort naechstes Jahr olympische Spiele stattfinden koennen… Da muessen ja noch viel mehr Nihcht-Chinesen von A nach B… Ich bin mal gespannt.
So, ganz liebe Gruesse und bis bald
Steff
Guangzhou (spricht man Nguaongjouh… oder so, schreibt man noch ganz anders ;-) )
Dezember 13, 2007Nun also mein erster Aufenthalt in China…Nachdem ich dann doch eine noch guenstigere Alternative zum Schnellzug nach Hong Kong fuer meinen Rueckweg gefunden habe, der nur ein wenig umstaendlicher und zeitaufwaendiger war, bin ich heute Mittag in Guangzhou angekommen. Erster Eindruck: hier riechts nach Russ und Abgasen, zweiter Eindruck: Das ist kein Nebel, das SIND Abgase. Dritter Eindruck: Riesig, unuebersichtlich und … na halt irgendwie kommunistisch haesslich. Wenn man dann auf der Suche nach nem E-Cafe in ner Shopping-Mall landet… und davon gibts ne ganze Menge allein in diesem Viertel… dann ist alles voller bunter Neonroehren und Kitsch und gar nicht mehr so kommunistisch, sondern ziemlich kapitalistisch…. auch, wenn die Preise fur Marken deutlich unter den europaeischen liegen und auch unter denen Hong Kongs.
Ich habe ein sehr guenstiges, sauberes und ruhiges Youthhostel gefunden, das irgendwie abseits der Hektik im Consulatsviertel auf einer kleinen Uferinsel am Fluss liegt und hauptsaechlich aus Kolonialbauten der Franzosen und Briten besteht. Ist zwar irgendwie leer da, aber eben ruhig und wie eine Art Rueckzugspunkt.
In Guangzhou sprechen gottseidank geschaetzt 30 % der Menschen Englisch, es gibt z.T, englische Schriftzeichen, ein gutes Metro-Netz und nochmal 10 % der Englischsprecher versteht sogar Fragen. Wiederum die Haelfte davon gibt hilfreiche Antworten. Dann gibt es noch eine handvoll derer, die jedes Wort kennen, das sich auf Uhren- oder Taschen-Fakemarken-Verkauf bezieht, die aber noch nie etwas von der Existenz des Wortes „no“ gehoert haben…
Die nette englischsprechende Dame an der Touristinfo… die einzige von 10, hat mir auf meine Frage, was es hier zu tun und zu sehen gebe, geantwortet: „You like shopping? Go here (Kringel ueber ein ganzes Stadtviertel). You can boat-tour on river, evening more butiful.“ War nett gemeint… bestimmt. Die Shoppingmoeglichkeit ist nicht zu uebersehen und die Riverboat-Tour hab ich auf dem Heimweg zu Fuss gemacht (1,5 km). Nett wegen der Lichter, ansonsten halt kommunistische Beton-Riesen. Tja, die Stadt hat immerhin so viele Einwohner wie unsere Hauptstadt… schau mir morgen einfach mal zwei der drei zentraleren Parks an, denke ich. Der Sonnenuntergang war uebrigens grade ziemlich beeindruckend… orangene riesige Kugel hinter Smoknebel ueber Fluss von Baeumen gesaeumt.
Gut, dass ich zwei ganze Tage hier vor mir habe… Vielleicht schaff ich es, der Stadt bis dahin noch etwas mehr Charme abzugewinnen.
Bin gespannt auf Peking… noch groesser, kaelter,… aber die haben immerhin ne Mauer, die man anschaut, nen Palast und ne uuhh… Verbotene Stadt. ![]()
Hab ich eigentlich schonmal erwaehnt, dass ich mich irgendwie auf Weihnachten im Kalten freue? Hier, aber vor allem in Hong Kong war es so, dass man auch ueberall Weihnachtsdeko, aber mehr im amerikanisch-kitschigen Stil hatte UND staendig von amerikanischen Weihnachtsliedern, mal instrumental mit Piano (im stilvollen Boutiquen-Areal) oder wie vom Tonband (in den Billig-shopping-Meilen)… oder aber irgendwas dazwischen oben auf der Skyterrasse ueber Hong Kong… Dort sass ich ja immerhin 4 Stunden… und das war ein instrumentales Dauerlied mit Gleockchengebimmel. (Hoert sich jetzt schlimmer an, als es war. Vielleicht freu ich mich seitdem noch mehr auf Weihnachtsstimmung. Geht einfach besser bei Null Grad. Hier brauchen die IMMER Pappe oder Lichterketten, um Schneemaenner darzustellen, die nicht direkt fluessig werden.
Und auch in China ist Vorweihnachtsstimmung… Nicht, dass sie hier erzkatholisch waeren, ein paar wenige vielleicht, aber X-Mas sells… ueberall!
So, da aus irgendeinem Grund seit dem Laden des Akkus meiner Kamera meine Speicherkarte nicht mehr funktioniert, muss ich mich auch nicht mehr aergern, dass ich hier mal wieder nichts selbst ins Netz stellen kann. (danke Silvia)…
Vielleicht hat jemand nen Tipp: Ist ne gebraucht in Kambodscha gekaufte Fuji-Kamera, die Karte hat 2GB und war eigentlich originalverpackt. Die kleine, leider volle Karte mit 256MB funktioniert. Wenn ich die 2MB reinstecke, sagt das Ding „Karte nicht initialisiert“ Wenn ich sie formatiere auf der Kamera sagt sie „Karte voll“…???
Danke schonmal.
Bis bald
Steffi
Shoppingparadies mit Haken
Dezember 12, 2007Hong Kong hat ALLES, alles und fuer jeden Geldbeutel… gut haupsaechlich fuer die etwas groesseren Geldkoffer, aber trotzdem…
Ja, ich habe waermere Klamotten gefunden… die waren sogar guenstiger als in Deutschland (verratet niemandem dass sie von Esprit und Mango sind, offiziell hab ich asiatischen Kram gekauft, klar?). Dass ich dafuer einmal die gesamte Insel (von Soho bis Causeway Bay) abgelatscht bin und dann auch noch in Kowloon einige Kilometer gemacht habe, hatte den positiven Nebeneffekt, dass ich ganz viel Hong Kong gesehen habe… Ich denke, Manhatten ist ein Waisenkind dagegen. So viele Wolkenkratzer auf so engem Raum… Netterweise bin ich von nem Ami angesprochen worden, der Fotograf in Hong Kong ist… und zwar fuer ne Wirtschaftszeitung. Er fotografiert Leute beim Kaufen… Das war heute Vormittag. Ich hatte noch keine Ahnung, wo ich suchen muss, da kam er und kannte natuerlich berufsbedingt genau die Strassen, die ich brauchte. Er hat mir nebenbei noch den Weg zum Gemuese-, Obst-, und Fischmarkt gezeigt und ein paar andere Hong Kong Tipps gegeben. Sehr nett war das.
Insgesamt habe ich den Eindruck auf der Reise bekommen, dass die allermeisten Menschen einfach freundlich und nett sind. (Wenn man nicht selbst grade unhoeflich ist)… Ausnahme sind da noch viele Vietnamesen, wenn’s um Geld geht, aber auch hier eben nicht alle. (Ich hoffe, dass ich nach diesem Statement nicht Murphy’s Law zu spueren bekomme und morgen jemand meine Wertsachen klaut…
)
Habe beschlossen, morgen schon nach Guangzhou zu fahren (hab ja heute ganz Hong Kong abgelatscht
) Das heisst, dass da wieder die chinesische Zensur greift, aber schreiben werde ich trotzdem! (danke Silvia!)
Bis dann
Steffi
Verfasst von Steffi
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