Heute sind wir mal wieder um halb sechs morgens aufgestanden um eine Halbtagesbustour zur DMZ, der Demmilitarisierten Zone, zu machen. Bei einem Ganztagesausflug sieht man zwar wesentlich mehr, aber wir sind, wie gesagt, recht Sightseeingfaul geworden und ich wollte gerne weiter nach Hoian. Die Halbtagestour sollte von 6h – 14h gehen und dann sollte es moeglich sein, den Bus nach Hoian um 14h zu bekommen. Um es schonmal vorwegzunehmen: es hat alles geklappt. Der Bus zur DMZ, geschichtlich uebrigens sehr interessant, hatte den langsamsten Busfahrer auf der ganzen Welt als Fahrer. Es hat drei Stunden gebraucht (1,5 waren normal gewesen) um alle Leute einzusammeln und zur DMZ zu fahren. Der Busfahrer war so langsam, dass man aufgrund des Zeitdrucks richtig aggressiv wurde. Zusaetlich zur schleichenden Fortbewegung hat er dann aber jeden Radfahrer von der Strasse gehupt. Ich denke ja, mit dem Rad waeren wir schneller gewesen. Von allen Passagieren waren Knut und ich die Einzigen die Mittags wieder weg mussten. Das wurde uns sowohl vom Fahrer als auch von der Guide, die strenger war als die Frauen beim Bund, sehr uebel genommen. Trotzdem haben wir die Sehenswuerdigkeit gesehen die Knut am liebsten sehen wollte: ein System aus Tunneln die sich Locals im Krieg mit Amerika gebaut haben. Die Tunnel waren sehr beeindruckend, vorallem wenn man weiss, dass die Menschen aus den Doerfern ueber fuenf Jahre in ihnen gelebt haben. Die Gaenge waren an der hoechsten Stelle 1,90m hoch, breit waren sie nie. Insgesamt wurden sieben Kinder da geboren die heute um die 40 Jahre sind. Mir ist das jetzt zu lang zum aufschreiben, aber die Geschichte und der Nutzen dieser Tunnelsysteme, die es uebrigens auch im Sueden Vietnams gibt, sind wirklich sehr interessant.
Nachdem wir durch die dunklen, feuchten und engen Gaenge durchgehetzt sind, ist der ganze Bus wieder in den naechsten Ort gefahren. Die andern hatten Lunch und wir mussten mit einem andern Bus wieder zurueck nach Hue um von dort nochmal drei Stunden nach Hoian zu fahren. Der andere Bus war ein Localbus der, wie uns unsere Busfahrer sehr unfreundlich versicherte, sicherlich nicht an unserem Hotel, wo unser Gepaeck stand, anhalten wuerde. Danke auch! Das was uns in diesem verantzen Minibus erwartete war das Ekeligste was ich jemals gerochen und gesehen habe. Wir konnten unsere Fuesse nicht auf den Boden stellen, weil unter unseren Sitzen zwei Saecke und ein Eimer standen. In dem Eimer waren Fische, in einem Sack war frisch zerlegtes Schwein und in dem andern ein frisch geschlachtetes Schwein. Ein Bein guckte oben aus der Oeffung raus, das Blut lief ueber den Busboden. Auf der Armartur lag eine beschlagen Plastiktuete mit Fleisch, der Sonne munter ausgesetzt. Der Gestank in dem Bus war so schlimm, dass wir die eineinhalb Stundne Fahrt nur durch den Mund geatmet haben. Sogar Knut hat diese Fahrt als sein schlimmstes Busfahrterlebnis bezeichnet. Ich denke, dass ich eine ganze Weile kein Schwein mehr essen werde. Bei dem Gedanken an den Geruch des toten Tieres und seines Blutes unter unseren Fuessen wird mir immer noch ganz anders.
In Hue angekommen wurden wir irgendwo unfreundlich rausgelassen, sind dann mit Motorbikes zum Hotel gefahren und dann nach Hoian gefahren. Dieser Bus war gross und neu und wunderschoen. Und auch Hoian gefaellt mir sehr gut. Dazu schreibe ich aber morgen etwas mehr.
Lieben Gruss,
Marcella
Jo, das hoert sich nach wenig Spass an, vielleicht schon fast so wenig, dass man irgendwann viel spaeter ordentlich drueber lachen kann… (Ih!!! Ih!!!)
Zum langsamen Busfahrer: Ich bin der festen, absolut unerschütterlichen Überzeugung, dass das ein Schweizer war!
Oder er war Fahrlehrer in der Schweiz, oder er hat das Fahren in der Schweiz gelernt – eines von all dem MUSS es sein!
Es gibt ansonsten keinen Grund im ganzen Universum zu finden, warum jemand SO LANGSAM fahren sollte, wie Ihr es beschreibt…