7.10.: Oh mein Gott! oder Ein Abenteuer pro Reise ist genug!

Wir sind sehr frueh morgens aufgestanden um mit dem Bus nach Kompong Cham zu fahren. Das liegt suedlich von Siem Reap und von dort aus kommt man irgendwie zur laotischen Grenze, hoffen wir. Unser Busfahrer war jung und motiviert und hat alles von der Strasse weggehupt was nicht von selber geflohen ist. Die Strasse war gar nicht so schlecht. Gut, es gibt keine Fahrbahnmarkierungen, keine Schilder und auch sonst nichts, was man auf einer Strasse erwarten wuerde. Aber, es gibt alles, was man auf einer Strasse nicht erwartet. Fussgaenger, Radfahrer, Rollerfahrer (das ist ja noch normal), Kuehe, Huehner, Hunde, Anhaenger, Wasser,… Die Liste ist endlos. Jedenfalls war nichts mehr auf der Strasse als wir mit unserem Bus durch waren. Der Fahrer hat in einer Agressivitaet jede Oma vom Rad gehupt dass einem schlecht wurde. Unglaublich!! Nach fuenf Stunden Fahrt waren wir dann endlich in besagter Stadt in der es nichts nennenswertes gibt. Es war gerade erst Mittags und wir haben ziemlich schnell beschlossen weiter Richtung Grenze zu fahren. Bis dahin waren es immerhin noch gute 12 Std Fahrt. In Kambodscha ist in diesen Tagen National Ceremony. Das bedeutet fuer uns, dass jeder Khmer auf dem Weg von A nach B oder zurueck ist, dass jedes Verkehrsmittel zum brechen voll und teurer ist als sonst. Irgendwie haben wir dann aber fuer 10$ pro Person ein PKWtaxi gefunden das uns nach Kratie, einer weiteren Zwischenstation auf dem Weg nach Laos, bringen sollte. Knappe vier Stunden mit nichts ausser Fruehstueck und ein paar Chips im Bauch in einem heissen Auto? Wird schon gut gehen. In dem Auto waren wir zu sechst. Knut durfte aufgrund seiner Groesse vorne sitzen und ich sass mit drei anderen Leuten, einer Frau mit Mundschutz und zwei Maennern, auf der Rueckbank. Oh, war das gemuetlich. Einer meiner Arme war so verkeilt, dass ich mir nichtmal das Mars aufmachen konnte, was Knut noch im Rucksack hatte. Trotzdem war die Fahrt in Ordnung. Nur als die asphaltierte Strasse ploetzlich aufhoerte und stattdessen in Matsch endete in den ich mich nicht mal mit nem Vierradantrieb reingetraut haette, wurde mir ein bischen anders. Da wir vier auf der Rueckbank aber so verkeilt waren, haette uns eigentlich gar nichts passieren koennen. Nach einer ganzen Weile fing dann ploetzlich auch wieder die Strasse an und ich war gluecklich. An irgendeinem Ort hielt  der Fahrer dann an und der Mann der rechts neben mir sass stieg aus. Oh, endlich haben wir Platz dachte ich noch, da wurden wir mehr oder weniger von einer handvoll jungen Maennern mit Motorraedern aus dem Auto gezogen. Leider sprachen sie kein englisch und ich fand die Situation immer weniger lustig. Das alle anderen Insassen aehnlich verdutzt schauten beruhigte mich wenigsten eins bischen. Dann ging der Kofferraum nicht auf und ich sah uns schon mitten in der Pampa ohne Gepaeck und ausgeraubt auf dem Boden sitzen. Es war aber anders. Angeblich war die weitere Strasse fuer Autos gesperrt und wir sollten die Rest der Strecke auf einem Roller zuruecklegen. Ja, auf EINEM. Der Fahrer, Knut, unsere beiden sehr grossen Rucksaecke und ich. Es gab noch eine hitzige Diskussion um die Bezahlung weil unsere neuer Fahrer ploetzlich mehr Geld haben wollte als der andere, aber als alle mal die Summen die wir bereit waren zu zahlen oder zu bekommen in den Sand gemalt hatten, sind wir uns dann doch einig geworden und sind losgefahren. Mein Rucksack vor den Beinen des Fahrers, ich hinter ihm, Knut mit Rucksack auf dem Ruecken hinter mir. Dass sich der Roller ueberhaupt vorwaerts bewegt hat wundert mich immer noch. Das alles allein haette ich schon erzaehlenswert gefunden. Es wird aber noch schlimmer!! Nach kurzer Zeit Fahrt auf einer matschigen und sandigen Strasse hoerte diese auf und vor uns war nur noch Wasser. Die ganze Strasse war ueberflutet. Einigermassen passierbar waren die Doerfer die links neben der Strasse lagen. Alle Haeuser hier stehen wegen Wassergefahr auf Stelzen. Einigermassen passierbar bedeutet hier, dass wir ueber 10 Kilometer immer wieder vom Roller absteigen mussten. Wir haben unsere Rucksaecke angezogen und sind Barfuss durch kniehohes Wasser gewatet, durch Matsch, Kuh- und Huehnerkacke, durch die Doerfer und an allen Einwohnern vorbei. Wahrscheinlich waren wir die Attraktion des Jahres, denn wirklich jeder, jeder hat uns gegruesst und uns an- oder ausgelacht. Es gab Strecken auf denen wir wieder stueckweise zu dritt auf dem Roller fahren konnten und auch wieder Strecken in denen wir den Roller durch das Wasser durchschieben mussten. Auch auf dem Roller waren wir eine erstaunliche Attraktion und ich bin traurig, dass es davon kein Bild gibt. Ich weiss nicht an wievielen hundert Menschen wir vorbeigekommen sind die erstaunt geguckt und uns gegruesst haben. Insgesamt ging diese Tortur, und es war wirklich, wirklich anstrengend, gute drei Stunden. Einige Male sind wir mit dem Roller weggerutscht. Ist aber nichts passiert. Von der Wasserschlange neben meinem Bein als ich gerade sehr wackelig, Barfuss, auf einem Brett mit Naegeln, das aber unter Wasser war, unterwegs war hat Knut mir auch erst am naechsten Tag erzaehlt. Einige Male sind wir zu dritt auf dem Roller durch einigermassen tiefes Wasser gefahren und nicht weggerutscht. In einem Dorf, die Doerfer sind sehr eng, ist der Fahrer so nah an Holzpfaehle gekommen, dass er mein Knie dagegen gefahren hat. Das tat saumaessig weh. Wir haben angehalten und sofort stand das ganze Dorf mich rum. Einer kam mit etwas zum kuehlen, der andere mit Tigerbalsam und alle waren sehr besorgt und freundlich. Mein Knie tut immer noch weh, aber wirklich schlimm ist es nicht. Die Fahrt war jedenfalls heftig und am Ende tat uns alles weh. Irgendwann nach einer scheinbar endlos langen Zeit sind wir dann endlich in totaler Dunkelheit in Kratie angekommen. Unser Fahrer hat das wirklich gut gemacht und wir haben uns alle ein paar Mal in dem Arm genommen. Nochmal muss ich sowas aber nicht mehr haben. Leider kann ich die Dramatik hier gar nicht so rueber bringen. Wir sind dann ganz erschoepft nochwas essen und dann sofort schlafen gegangen.

3 Antworten zu 7.10.: Oh mein Gott! oder Ein Abenteuer pro Reise ist genug!

  1. Sebastian sagt:

    Leider kann ich die Dramatik hier gar nicht so rueber bringen.

    Keine Sorge, ist Dir ganz gut gelungen. ;)

  2. jutta selbach sagt:

    Liebe Marcella,
    ich schließe mich voll Sebastians Kommentar an. Wenn ich mir überlege, daß ich während des Lesens total angespannt war und daß Eure Tortour ja über Stunden ging, dann habt Ihr meinen totalen Respekt.
    Glückwunsch, daß Ihr heil durchgekommen seid, und gleichzeitig “Happy Birthday” für Knut.
    Liebe Grüße
    Jutta

  3. Anja sagt:

    Hallo Marcella. Hallo Knut,

    die Anstrengung in eurem Bericht konnte mann gut mit erleben . Ich war auch sehr angespannnt -obwohl hab es ja nur gelesen habe und dabei im Bett lag -
    Aber mit Sicherheit werdet ihr die Dramatik erst richtig wahnehmen ,wenn ihr eueren eignen Bericht lest.

    Alles Liebe
    Anja

    Und alles Gute auf der weitern Reise

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